Der Schwarm
Februar 18, 2008
Gespenstische Szenen heute Abend über dem Alexanderplatz: Vom Dach des Plattenbaus neben dem Roten Rathaus ließen sich immer wieder Schwärme von Nebelkrähen herab um kreischend Kreise zu ziehen, schwarzen Wolken gleich, im weiten Bogen zum Neptunbrunnen, zum Skelett des Palasts und zurück. Mit einem Mal schienen sich die Schwärme zu vereinen. In einer ausufernden, majestätischen Woge fluteten hunderte, wenn nicht tausende Krähen auf den Fernsehturm zu und wie eine brandende Welle teilte sich der Schwarm an der steinernen Stelze des Turms, dessen Spitze im milchigem Dunkel des Himmels verschwand. Die Menschen blieben tatsächlich stehen, sahen auf und zeigten gen Himmel. Es war beängstigend.
Ein weiteres Glied in einer Kette von Zeichen, das bedeuten will, dass das Unheil nahe ist. Doch nicht aus dem Meer droht es, wie bestselleresk verbreitet wurde… Woher dann? Das liegt schon seit Jahrzehnten auf der Hand, insofern:
Wie die Leute in den Himmel geschaut haben!
Wo ist denn der Unterschied, ob man gegen einzelne Tierarten hetzt oder gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen? Die Methoden sind offensichtlich ähnlich. Zoophobie als Form des politisch korrekten Rassismus: Was kommt als nächstes – Krähenverbrennung?
“Die Vögel saßen jetzt direkt vor den Fenstern, hatten die Lücken geschlossen, es wurde dunkel in der Bar. Bis auf den letzten Quadratzentimeter Scheibe nichts als die kalten, roten ich sag mal tausend Augen des Dr. Mabuse. Und das Kratzen der orangefarbenen Krallen an Fensterrahmen und -brett, wie wenn sie uns gleich die Bude einrennen wollten. Unsererseits ein Gefühl wie im Zoo, bloß andersrum.” (D.F. Wallace, John Billy)
[...] dürfte ja schon genügen, um zu wissen, um welches Argument es sich handelt: Sex natürlich. Einmal mehr tun sich Abgründe auf: Die Zweiflügler machen das höchstwahrscheinlich, weil sie alle die Vorliebe haben in einer [...]