Bei Aldi in Itzehoe im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein
Februar 26, 2008
Jaja. Letzte Woche habe ich hier bei Aldi einen echten Star getroffen. Hier ist Itzehoe und der Star ist gewissermaßen, wenn sicher auch nicht ausschließlich, ein persönlicher.
Itzehoe ist eine Kleinstadt, die einmal innerhalb einer Schleife des Flusses Stör lag, bis sie die Schleife wegmachte und jetzt einfach so an der Stör liegt. Somit aber endlich der fraglos abkömmlichen Idylle kleiner Kanälchen und malerisch drumherum drapierter Häuser entledigt, legte sie sich eine Fußgängerzone des unschlagbaren Klassikers „Niedersachsenklinker, zweistöckig“ zu und außerdem noch zwei weiße Hochhauswohnungsblöcke, die nun, den Kirchturm um ein Mü überragend, die Skyline des Städtchens markieren. Das alles geschah – ich habe jetzt keine Lust nachzusehen – in den sechziger Jahren.
Bei dem Star handelt es sich um einen Bauern aus dem nahe gelegenen Dorf Wacken, das Metallern schon seit Jahren das irdische Walhalla bedeutet und durch den Film „Full Metal Village“ unlängst auch bei einem breiterem Publikum Berühmtheit erlangt hat. Der Film berichtet von den Menschen die in Wacken leben und ein bisschen auch davon, wie sie mit dem Festival zurechtkommen. Diese Menschen sind natürlich, wie alle Menschen, entweder sympathisch oder abstoßend. Das macht sich der Film zunutze, indem er – wie jeder gute Film – eine Opposition von Gut und Böse ins Spiel bringt, die zwei Bauern inkorporieren dürfen.
Der böse Bauer ist das was man einen „Macher“ nennt, wahlweise in Politikerkreisen auch „Bonze“ oder in Immobilienmaklerkreisen „Hai“ genannt. Er kassiert aberwitzige Summen an EU-Fördergeldern, verdient sich eine goldene Nase am Festival, sieht fies aus, fährt Mercedes bzw. affigerweise Trike, raucht Camel und behandelt seine Frau schlecht, ja, prahlt sogar grinsend vor laufender Kamera damit, dass er eine Geliebte habe.
Der gute Bauer hat einen kleinen, schiefen Hof mit vielen Katzen, sieht unfassbar nett aus, fährt Fahrrad oder einen niedlichen, alten Trecker, raucht Selbstgedrehte, ist nicht sonderlich reich und liebt seine Frau (und sie ihn) wie am Tag ihrer Verlobung.
Beide haben aber auch etwas gemeinsam, sie sind beide irrsinnig cool.
Nun, den guten Bauern, also meinen persönlichen Star, habe ich letzte Woche bei Aldi getroffen, hier in Itzehoe. Ich lüge, wenn ich sage, dass er unschlüssig eine Ecke Parmesankäse in der Hand hielt und auf das Etikett starrte. Ich lüge, wenn ich sage, dass er eine Mütze mit der Aufschrift „Pepsi“ auf dem Kopf trug. Ich lüge aber nicht, wenn ich sage, dass er irgendetwas unschlüssig in der Hand hielt und eine Mütze mit einer Aufschrift auf dem Kopf trug. Ich kann mich nämlich nicht mehr genau erinnern, weil mir nämlich erst beim Einpacken auf dem Parkplatz endlich eingefallen ist, woher mir dieser Mann bekannt vorkam und weil ich daher vorher nicht so genau hingesehen habe, was ich ja ohnehin versuche zu vermeiden, also das Anstarren von Leuten.
Und hier ist er, der gute Bauer, in einer der rührendsten Szenen der Filmgeschichte: