Überlegungen profaner Natur: Das Baden
Mai 17, 2008
Die von mir so sehr geliebte und ausgiebig betriebene Tätigkeit des Badens wurde mir soeben verleidet. Das hat natürlich den vorteilhaften Nebeneffekt, dass, sollte ich demnächst umziehen, die Auswahl infrage kommender Wohnungen sehr viel größer geworden ist, ich brauche ja keine Badewanne mehr, dies aber nur nebenbei.
Die Essenz des Badens liegt meiner Meinung nach nämlich darin, es mit einer weiteren Tätigkeit gleichzeitig auszuüben, der des Lesens. Leider ist ja das altertümliche Medium des Buches für mich gestorben. Das ist nicht nur ärgerlich, weil in meinem Zimmer eine ganze Wand voll davon ist, von Büchern, die ich jetzt zu nichts mehr gebrauchen kann, sondern auch weil man, wenn einem so ein Buch einmal versehentlich in das Badewasser gefallen ist, es einfach wegwerfen und sich ein neues kaufen konnte. Ganz schräge Vögel hängen es meinetwegen auch an eine Wäscheleine zum Trocknen auf. Nebenbei bemerkt habe auch ich schon einmal ein Buch zum Trocknen aufgehängt. Zu meiner Verteidigung kann ich aber vorbringen, dass ich damals Student war und in einer thüringischen Kleinstadt lebte. Bei dem getrockneten Buch handelte es sich um einen Reclam-Band, so eine zweisprachige Ausgabe von Aristoteles’ Poetik. (Intermezzo: Gerade habe ich das Buch aus dem Regal genommen und weggeworfen.)
Zurück zum Wesentlichen, der mir neuerdings verleideten Tätigkeit des Badens: Es ist nämlich so, dass ich es mir nicht traue, meinen Laptop bzw. mein Notebook (was eigentlich ist derzeit die gängigste Bezeichnung für so ein Gerät?) zum Lesen mit in die Badewanne zu nehmen. Es könnte ja versehentlich ins Badewasser fallen. Dazu fällt mir etwas ein: Max Frisch hat einmal auf die Frage, wie viel Geld er gerne hätte, sinngemäß geantwortet: „Nicht so viel, dass ich mich darum kümmern muss. Nicht so wenig, dass ich mich darum kümmern muss.“ Wenn mir jemand die Frage stellen würde, wie viel Geld ich gerne hätte, würde ich antworten: „So viel, dass ich, wenn mir versehentlich mein Computer in das Badewannenwasser fällt, ich ihn wegwerfen und mir einen neuen kaufen kann.“
Bleibt noch – wenn man etwa die im suzidalen Kontext recht beliebte Kombination Fön/Badewanne hinzuzieht – eines zu klären: Wäre ich dazu noch in der Lage?
Ich würde vermuten, dass du es überlebst, wenn der Laptop in die Wanne fällt – sofern das Ladekabel nicht angeschlossen ist. Es müsste wasserfeste Laptops geben, damit man wirklich überall ins Internet gehen kann. Und dann kann man auch sagen „ich habe in der Badewanne gesurft“.
Die Ladekabel liefern nur um die 19 Volt, da musst Du Dir eigentlich keine Sorgen machen. Aber der Akku könnte einen Kurzschluss bekommen und explodieren… Und was bei einem Laptop an giftigen und ätzenden Substanzen ausgewaschen werden, möchte ich gar nicht wissen. Es scheint auch tatsächlich kein wasserdichtes Lesegerät zu geben. Marktlücke!
Hörbuch? Viele Wikipedia-Artikel kann man sich auch vorlesen lassen. Da lernt man dann auch noch was.