Wie jedes Jahr passe ich gegen Ende des Wettbewerbs nicht mehr so richtig auf. Die Vorfreude weicht der Ernüchterung, die Produktionslust der Rezeptionsunfähigkeit (Hier wäre ja ein Mittelweg schön. Vielleicht sollte ich einen Ferienkurs bei den Anonymen Rezipienten belegen). Ich twitterte, war schnell davon genervt und musste bald einsehen, dass die auch im Vorfeld schon vorhandene Vermutung, dass das nur flapsige Oberflächenschnipsel abwerfen würde, die hinterher zwar Momente wieder präsent machen, aber kaum echte Urteile produzieren können, sich bewahrheitete. Ich ließ es also am zweiten Tag ganz, ok, das war auch der Zeit zwischen den Lesungen geschuldet. Mit Freude nahm ich noch zur Kenntnis, dass die automatische Literaturkritik der ZIA perfekt funktioniert hatte, so dass Aleks Scholz, Kathrin Passig und Sascha Lobo dem späteren Preisträger des Bachmannpreises und des Publikumspreises, Tilman Rammstedt, ihren Preis schon zwei Stunden früher verleihen konnten. Zuletzt sei aber auf die wieder einmal sehr gelungenen Zusammenfassungen der Tage (hier, hier und hier) von Andrea Diener verwiesen, die sich von Twittern und Live-Blogging nicht irritieren lässt, erst einmal ihr Notizbuch vollschreibt und hinterher erst das Internet, was dann auch so etwas wie Kohärenz zulässt. Schön, dass sie nun endlich auch Klaus Nüchtern mag. Was Daniela Strigl anbelangt, ich versuchte mich den gesammten Wettbewerb hindurch gegen diese Einsicht zu wehren, aber sie scheint die einzige von den Juroren zu sein, die relativ konstant – also ohne Totalausfälle – über soetwas wie ein Urteilsvermögen verfügt.  Zudem ist sie oft auch die einzige, die sich wirklich auf den zu beurteilenden Text bezieht und nicht auf das eigene phantastische Referenzuniversum. Das macht allerdings dem Zuschauer mehr Spaß, siehe André Vladimir Heiz.

Art!

Juni 28, 2008

„Paulchen is dead“ – Falk Quenstedt, 2008 (Plüschtier auf acht Blättern Papier)

Zwischen den Lesungen

Juni 28, 2008

Gegen halb vier war es dann geschafft. Man hatte sich den gestrigen Tag der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt angesehen, und fühlte nun den Drang, noch ein wenig vor die Tür zu gehen, noch ein wenig unter Leute zu kommen. Man fühlte sich, als hätte man den Abend erst begonnen, als würde man ihn seinem eigentlichen Ziel erst zuführen und es war ja auch noch hell. Blieb nur die Fragen, wohin gehen? Wie sich herausstellte, hatte der Rest der Stadt den Abend schon hinter sich bzw. war gerade dabei, ihn hinter sich zu bringen. Zuerst also in den Retroweltraumladen, wenn da niemand mehr wäre, könne man sowieso gleich wieder nach hause gehen.

Man trank ein Bier und ging. Erschreckend war, dass sich auch hier schon die Unsitte breit gemacht hatte, Pfandchips auszuteilen bzw. überhaupt Glaspfand zu nehmen. Servicewüste. Ansonsten war es dort so, wie es immer ist. Also irgendwie einerlei.

Man machte sich auf den Heimweg, fotografierte Tische, Kreuzungen und Hunde des wegs kommender Passanten.

Folgend schaukelte man, bis die Ketten knickten.

Schließlich kaufte man noch Essen für den heutigen Morgen, damit zum Kopfschmerz sich noch Übelkeit einstelle und man etwas zu tun habe, während des zweiten Tages der deutschsprachigen Literatur, dessen erster Teil nun doch wieder auf Video angesehen werden muss. Nächstes Jahr guckt man besser mal ohne Zeitverschub. Die Chapattis waren übrigens unverschämt teuer.

Bachmannpreis

Juni 27, 2008

Jetzt Bachmannpreis. Leider heute nur auf Video, weil tagsüber keine Zeit. Nicht aktuelle aber irgendwie ja doch aktuelle (und ab morgen dann richtig aktuelle) Kommentare findet man hier.

Mein Fahrrad

Juni 27, 2008

Ich habe ein paar Fotos von meinem Fahrrad gemacht. An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Freunden noch einmal für dieses schöne Geschenk bedanken: Danke!

Das letzte Bild passt natürlich nicht ganz in die Reihe. Da habe ich Bier verkippt.

„Noch ein Bier?“

„Ja, gern.“

„Du lässt dir einen Bart wachsen?“

„Ja. Nee. Ich hab mich bloß so lange schon nicht mehr rasiert.“

„Wie? Du guckst Fussball?“

„Ja. Nee. Nur so EM und WM.“

Gestern Abend standen ein Freund, meine Frau und ich kurz nach dem letztlich überraschenden Erfolg der türkischen Fussballnationalmannschaft mit unseren Fahrrädern an einer Straßenecke und tranken Jägermeister, als eine Rotte Stressjugendlicher mit Migrationshintergrund, wie Christiane Rösinger sagen würde, lautstark pöbelnd heran kam. Bei uns angelangt bat man mit heiserer Stimme und zunächst verhältnismäßig höflich um eine Zigarette. Um welche zu verteilen, kramte ich meine Schachtel heraus. Schon wurde sie mir von einem besonders adrenalin- und alkoholdurchwirkten jungen Mann aus der Hand gerissen, der sich brüllend davon machte, der Rest der Rotte hinterdrein. Zwar gedemütigt aber doch froh mit heiler Haut davongekommen zu sein, ergab ich mich in mein Schicksal, strich die Segel, ohne sie je gehisst zu haben, sozusagen. Doch zu früh gefreut. Entschlossen kramte nun nämlich meine Frau ihre mitunter sehr eindringliche professionelle Lehrerinnenstimme heraus und schickte den sich trollenden Jugendlichen ein beherztes  „Was bist du den für ein Asso!“ hinterher. Fassungslos blickten der Freund und ich meine Frau an, die nun unvermeidlichen ausgeschlagenen Zähne und Rippenbrüche antizipierend.
Zwei der Burschen kamen daraufhin zu uns zurück, brachten aber keine Schläge mit, sondern die Zigarettenschachtel, die sie mir kleinlaut zurückgaben. Sie verabschiedeten sich mit den Worten: „Entschuldigung für die Opfer!“
Meine Ehre war nun nicht wirklich wiederhergestellt, dafür weiß ich jetzt aber, dass ich, wenn ich draußen nachts so unterwegs bin, keine Angst mehr haben muss, solange nur meine Frau dabei ist.