Bachmannpreis: Abschluss!
Juni 29, 2008
Wie jedes Jahr passe ich gegen Ende des Wettbewerbs nicht mehr so richtig auf. Die Vorfreude weicht der Ernüchterung, die Produktionslust der Rezeptionsunfähigkeit (Hier wäre ja ein Mittelweg schön. Vielleicht sollte ich einen Ferienkurs bei den Anonymen Rezipienten belegen). Ich twitterte, war schnell davon genervt und musste bald einsehen, dass die auch im Vorfeld schon vorhandene Vermutung, dass das nur flapsige Oberflächenschnipsel abwerfen würde, die hinterher zwar Momente wieder präsent machen, aber kaum echte Urteile produzieren können, sich bewahrheitete. Ich ließ es also am zweiten Tag ganz, ok, das war auch der Zeit zwischen den Lesungen geschuldet. Mit Freude nahm ich noch zur Kenntnis, dass die automatische Literaturkritik der ZIA perfekt funktioniert hatte, so dass Aleks Scholz, Kathrin Passig und Sascha Lobo dem späteren Preisträger des Bachmannpreises und des Publikumspreises, Tilman Rammstedt, ihren Preis schon zwei Stunden früher verleihen konnten. Zuletzt sei aber auf die wieder einmal sehr gelungenen Zusammenfassungen der Tage (hier, hier und hier) von Andrea Diener verwiesen, die sich von Twittern und Live-Blogging nicht irritieren lässt, erst einmal ihr Notizbuch vollschreibt und hinterher erst das Internet, was dann auch so etwas wie Kohärenz zulässt. Schön, dass sie nun endlich auch Klaus Nüchtern mag. Was Daniela Strigl anbelangt, ich versuchte mich den gesammten Wettbewerb hindurch gegen diese Einsicht zu wehren, aber sie scheint die einzige von den Juroren zu sein, die relativ konstant – also ohne Totalausfälle – über soetwas wie ein Urteilsvermögen verfügt. Zudem ist sie oft auch die einzige, die sich wirklich auf den zu beurteilenden Text bezieht und nicht auf das eigene phantastische Referenzuniversum. Das macht allerdings dem Zuschauer mehr Spaß, siehe André Vladimir Heiz.
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