Vectrex
Juli 8, 2008
Mein Nachbar resp. Schwager resp. Kumpel hat sich ein Liebhaberstück gekauft. So nennt man das ja, glaube ich, wenn man langsam alt wird und bei Versteigerungen tendenziell zuviel für Dinge bezahlt, die man in seiner Kindheit haben wollte, aber nicht bekam bzw. nicht haben wollte, weil sie damals schon von gestern waren, aber eben noch nicht so sehr von gestern, dass man sie wieder haben will. Ein typisches Beispiel dafür ist die Spielekonsole Vectrex, die – wie mir erklärt wurde – nicht sonderlich erfolgreich war, weil zu teuer. Zu teuer war sie aber deshalb, weil sie den Monitor gleich mitbrachte und zwar nicht irgendeinen x-beliebigen Pixel-Monitor, sondern einen Vektor-Monitor, oder so. Also ist es eine Konsole, die mit Vektorgrafik funktioniert. Sie wurde dann auch „Vectrex“ genannt. Und zwar schon 1982. Es gibt also Konsolen, die sind fast genauso alt wie ich. Das „x“ am Ende des Namens sollte wohl zum Ausdruck bringen, auf welcher Marktposition die Vetrex-Produzenten am liebsten die Pixelgrafikprodukte anderer Hersteller gesehen hätten, am Ende. Das war 1982 noch so, da war alles noch offen. Nun gut, mir wurde das Gerät gestern abend vorgeführt und es bereitete Spaß. Vor allem, weil es brummte und fiepte und piepte und knattertte etc. pp. Hier ein paar Bilder (leider etwas pixelig, meine Kamera funktioniert nämlich im Gegenteil zum Vectrex mit Pixeln, zudem verfügt sie nur über einige wenige Millionen davon, dafür sieht sie aber geil aus, so wie… you know!):
Ideal und Wirklichkeit
Juli 1, 2008
In kaum einem Land klaffen Ideal und Wirklichkeit so deutlich auseinander wie in dem Land, um das es hier gehen soll (und das aus persönlichen Gründen nicht genannt sein möchte). Und in kaum einem Land spiegelt sich diese Kluft so deutlich in seinem Erscheinungsbild wider. Seit Jahrzehnten wurden Pläne gemacht, wurden ganze Städte – allen voran die Hauptstadt des Landes – einem Redesign unterzogen. Vor den Überbleibseln dieser gescheiterten Versuche sollten nun endlich nicht mehr die Augen verschlossen werden. Ganz besonders nicht in diesen Tagen, in denen die Siegesfeiern wieder einmal ausblieben.
Anstrengungen hatte man allerdings nicht gescheut: Eine ganze Straße hatte man mitten durch den größten Park der Hauptstadt gezogen. Man hat sie „Fanmeile“ genannt, weil sie denen gewidmet war, die dem Land durch Fahnenschwenken und Brüllen, durch Anmalen des Gesichts und Färben der Haare, durch Trommeln und nicht zuletzt Biertrinken auf die Beine helfen sollten, den „Fans“. Allein, auch das hatte nichts genützt. So liegt er nun da, der vermeintliche Boulevard des Triumphs, elend und verlassen.
Den „Fans“ hatte man sogar, um sie zu ehren, eine Statue errichtet.
Aber auch an schon weit zurück liegende Niederlagen wurde erinnert. Damit so etwas nicht wieder geschehe.
Sogar eine „Siegessäule“ hatte man gebaut.
Am sinnfälligsten wird doch aber das Versagen des Landes, wenn man die schon jahrzehnte zurückliegenden Pläne für den sogenannten „Palast der Republik“ mit dem vergleicht, was davon bis heute realisiert werden konnte. (Der Leser führe sich vor Augen, dass man für dieses Vorhaben ein Schloss, das sich an der für den Palastbau vorgesehenen Stelle befand, extra hatte abreißen lassen.)
Jährlich reisen mehrere Millionen Touristen in die Hauptstadt des Landes, um sich an seinem Versagen zu laben und sich hinterher überdreht zu besaufen (der Alkohol ist in dem Land erwartungsgemäß vergleichsweise billig).
Das Land kann einem angesichts dieser Bilder wirklich Leid tun. Auch ich wollte schon meine Kamera einpacken und es seinem Schicksal überlassen, unbehelligt von der bösartigen Öffentlichkeit. Aber ich entdeckte etwas, dass mich wieder hoffen ließ. Hoffen, dass es sich für das Land doch noch einmal zum Guten wenden würde. An dem einzigen Fenster, das bisher schon in den Palast eingebaut worden war, spiegelte sich ein Engel. Eine Allegorie, dachte ich, als wollte er, der Engel, sagen: „Weitermachen!“


















