Seltsame Ministerien I
September 28, 2008
Ja. Wieder eine neue Reihe. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, scheiternde Reihen über scheiternde Reihen zu türmen. Die werden dann im Einzelnen am Ende (wobei unklar ist, wo ungefähr sich dieses „Ende“ befinden könnte) durchnummeriert. Vielleicht wird ja auch ein Buch zum Thema „Scheiternde Vorsätze“ draus. Mal sehen.
Durch die immer größer werdende zeitliche Nähe meiner nächsten Italienischprüfung (bzw. durch das damit in direkter Proportionalität stehende ebenfalls immer größer werdende Unbehagen), sehe ich mich nun langsam gezwungen, mich in irgendeiner Form mit dieser Prüfung zu beschäftigen. Eines der Themen lautet: Jugendarbeitslosigkeit. Das ist so ziemlich das Langweiligste, was ich mir vorzustellen in der Lage bin. Warum ich dieses Thema dann gewählt habe? Nun, ich durfte mir selbst Themen ausdenken. Ich dachte mir keine aus. Ich nahm das, was meine Dozentin mir beispielhaft und in einem Nebensatz vorschlug (zum Glück tat sie etwas Derartiges, sonst wäre ich bestimmt immer noch mit der Themenfindung beschäftigt).
Ich lese also seit heute morgen in so italienischen Blogs rum. So Prekariats-Jammer-Blogs. Wo derjenige den Preis bekommt, der die längste Zeit für das wenigste Geld, mit den meisten unbezahlten Überstunden und dem besten Studienabschluss arbeitete und gerade von einem Tag auf den anderen gefeuert wurde (über Kündigungsfristen, Urlaubsgeld u.ä. wird noch nicht mal mehr nachgedacht). Als Richtwerte für die Belegung der vorderen Plätze: 15 Jahre, 250 Euro pro Monat, ca. 12 Stunden täglich, mit einem Doktor in Medizin und Kunstgeschichte. Das geht natürlich nur, wenn man mit vierzig noch bei den Eltern wohnt.
Es war also ein ganz besonders amüsanter und motivierender Vormittag, was ich jetzt ganz und gar nicht ironisch meine. Dummerweise weiß ich aber noch nicht soo viel mehr über Jugendarbeitslosigkeit.
Um diesen Eintrag jetzt aber seiner Bestimmung zuzuführen und ihn damit auch abzuschließen: Das seltsame Ministerium I ist das „Ministero per Funzione Pubblica“, das „Ministerium für Öffentliches Funktionieren“. Der Minister ist Renato Brunetta, der – laut italienischer Wikipedia – nach einer Vorführung des Kinofilms „Matrix“ gesagt haben soll: „Ich möchte den Nobelpreis für Ökonomie gewinnen. [...] Ich habe viele Freunde, die den Nobelpreis gewonnen haben, und sie sind nicht viel intelligenter als ich.“
(Der Fairness halber will ich noch Folgendes bemerken: Das „Ministero per Funzione Pubblica“ heißt unterdessen „Ministero per la Pubblica Amministrazione e l’Innovazione“, die URL verrät aber noch den alten Namen.)