Trailer zu Krachts Buch jetzt in der Presse
September 5, 2008
Nachdem der Trailer zu Krachts neuem Roman jetzt seit mehr als einer Woche im Netz steht wird auch Herr bzw. Frau Print darauf aufmerksam. Na gut, die Pressemitteligung kam ja auch erst gestern raus. Ich werde jetzt aber nicht so doof bloggermäßig hohnlächeln und erst recht nicht grinsen wie ein frisch lackiertes Hutschperferd oder wie ein Primeltopf, wie man - will mir zumindest mein Synonymwörterbuch aus dem Duden-Verlag weißmachen – in Süddeutschland und Österreich zu sagen pflegt. Vielmehr freue ich mich, dass ausgerechnet die taz sich dazu äußert und dies auch noch ausgesprochen positiv. Was nun aber auch kein Wunder ist, weil der Trailer ja nun mal ausgesprochen gut ist. Das Buch bisher übrigens auch. Meine FAZ-Sammlung wächst stetig. Möglicherweise werde ich mich beizeiten sogar nochmal dazu äußern. Wenn ich doch nicht soviel arbeiten müsste. (Pst! Während ich dies schreibe sehe ich mich immer wieder verstohlen um, dass nicht plötzlich mein Chef hinter mir steht und die rhetorische Frage stellt, ob ich mit den FAQs für die Website und der Werbebroschüre für … denn gut voran komme. Vielleicht würde er auch fragen, ob ich nichts Besseres zu tun hätte. Oder er würde sagen, dass er mir für jedes Wort hier einen Euro vom Lohn abziehe. Ich kann jetzt noch nicht so genau sagen, was der Chef sagen würde. Der Chef ist noch ganz neu.) So. Frühstückspause beendet!
Wann verstehen es Müllabfuhr, Bauarbeiter, Handwerker aller Art, Glascontainerein- wurfzeitenbestimmer und Grünflächenmäher endlich, dass 7.00 Uhr morgens außer- halb der Geschäftszeiten eines sehr großen Teils der Einwohner dieser Stadt liegt? Warum muss die Phase der größten öffentlichen Lärmproduktion immer morgens sein? Warum nicht z.B. mittags? Die Mittagspause ist doch nun wirklich ein absoluter Anachronismus. Warum nicht z.B. nachmittags? Weil die, die morgens poltern und Radau machen in ihrem Feierabend nicht gestört werden wollen? Nun, ich will ja niemanden anfeinden. Ich verstehe es nur nicht. Wir leben ja auch nicht in den Subtropen (von Klimawandelkommentaren bitte ich abzusehen). Da ergibt das ja Sinn, da geht mittags nun wirklich nichts. Aber ich schweife ab. Ist ja auch sonst gar nicht meine Art, das Aufregen.
Letzten Endes hat aber zumindst die heutige morgendliche Ruhestörung etwas Gutes: Habe ich doch gerade mal wieder etwas in den Blog geschrieben.
Vectrex
Juli 8, 2008
Mein Nachbar resp. Schwager resp. Kumpel hat sich ein Liebhaberstück gekauft. So nennt man das ja, glaube ich, wenn man langsam alt wird und bei Versteigerungen tendenziell zuviel für Dinge bezahlt, die man in seiner Kindheit haben wollte, aber nicht bekam bzw. nicht haben wollte, weil sie damals schon von gestern waren, aber eben noch nicht so sehr von gestern, dass man sie wieder haben will. Ein typisches Beispiel dafür ist die Spielekonsole Vectrex, die – wie mir erklärt wurde – nicht sonderlich erfolgreich war, weil zu teuer. Zu teuer war sie aber deshalb, weil sie den Monitor gleich mitbrachte und zwar nicht irgendeinen x-beliebigen Pixel-Monitor, sondern einen Vektor-Monitor, oder so. Also ist es eine Konsole, die mit Vektorgrafik funktioniert. Sie wurde dann auch „Vectrex“ genannt. Und zwar schon 1982. Es gibt also Konsolen, die sind fast genauso alt wie ich. Das „x“ am Ende des Namens sollte wohl zum Ausdruck bringen, auf welcher Marktposition die Vetrex-Produzenten am liebsten die Pixelgrafikprodukte anderer Hersteller gesehen hätten, am Ende. Das war 1982 noch so, da war alles noch offen. Nun gut, mir wurde das Gerät gestern abend vorgeführt und es bereitete Spaß. Vor allem, weil es brummte und fiepte und piepte und knattertte etc. pp. Hier ein paar Bilder (leider etwas pixelig, meine Kamera funktioniert nämlich im Gegenteil zum Vectrex mit Pixeln, zudem verfügt sie nur über einige wenige Millionen davon, dafür sieht sie aber geil aus, so wie… you know!):
Bachmannpreis
Juni 27, 2008
Jetzt Bachmannpreis. Leider heute nur auf Video, weil tagsüber keine Zeit. Nicht aktuelle aber irgendwie ja doch aktuelle (und ab morgen dann richtig aktuelle) Kommentare findet man hier.
Pangea Day schließlich und endlich: Fazit
Mai 12, 2008
Onno war so freundlich mich in den Kommentaren zu fragen, wie er denn nun war, der Pangea Day. Meine Antwort wurde etwas ausführlicher, sozusagen ‘post-worthy’:
Und? Wie war es?
War in Ordnung. Leider nur in Ordnung. Nicht gefallen hat mir hauptsächlich, dass im Vergleich zu Moderation, kurzen Reden und musikalischen Elementen die Filme etwas zu kurz gekommen sind. Ich hätte mir mehr gewünscht, ich hätte mir auch bessere gewünscht: Waren leider oft nicht so einfallsreich, inhaltlich wie technisch. Allerdings gab’s hier auch Ausnahmen, wie etwa die Filme von Ted Chung, Zeina Aboul Hosn, Brent Hoff, Philippe Orreindy und Mark Osborne.
Man war auch bemüht, die Veranstaltung nicht zu einem weltweiten Hippie- und Betroffenheitstreffen geraten zu lassen, was sicherlich nicht einfach ist und eigentlich ganz gut gelang. Obwohl die ModeratorInnen mir ein bisschen zu schluffi-fesch daherkamen, mit Surfersträhnen, Jeans und Jackett, und die Beitrage für meinen Geschmack etwas zu oft „amazing“ und „inspiring“ nannten oder als Endpunktmarkierung noch schnell ein „wow“ einfließen ließen. Es gab auch ein paar Stars: Die unvermeidliche Cameron Diaz, die großartige Meg Ryan und die alberne Goldie Hawn. Alle haben nur kurze Ansagen gemacht, also gewissermaßen ihre Marke zur Verfügung gestellt, was halt sein muss, klar. Letztgenannte war allerdings auch Anlass für Fremdscham, sie hatte nämlich den indischen Lach-Guru und Arzt Madan Kataria mitgebracht und die ganze Welt sollte nun gleichzeitig gemeinsam in schallendes Gelächter ausbrechen. Ähnlich peinlich das Ende à la „the world united in one heart beat“ mit Trommlern, die auf den Großevents in Rio, L.A. (von hier aus wurde der größte Teil moderiert), London, Kairo, Tigali (sic!) und anderen Orten halt mit ihren unterschiedlichen Trommeln trommelten: Trommeln geht gar nicht! (Überhaupt fand ich die Weltmusikbeiträge ziemlich nervig.)
Zuletzt aber noch ein paar positive Punkte: Logistisch lief alles glatt, was sicher eine Leistung ist. Als Beispiel: Ein funktionierender, weltweiter Stream in acht Sprachen (mit Simultanübersetzung und Untertiteln) über vier Stunden und als Vollbild problem- und ruckelfrei. Fand ich ziemlich beeindruckend (kriegen ARD und ZDF nicht hin). Überhaupt das ganze Auftreten, ob Website, Kommunikation, die Bühnen am Abend des Events selbst: Alles sehr gut. Ganz besonders gefielen mir – auch wenn es ein paar zuviel davon gab – die kurzen „speeches“ international anerkannter Wissenschaftler und Künstler (nach dem Vorbild von ted.com). Höhepunkt bildete für mich, als eine israelische Mutter, deren Sohn bei einem Selbstmordattentat ums Leben kam, und ein Palästinenser, dessen Bruder von israelischem Militär erschossen wurde und der selbst schwer verletzt worden war, Hand in Hand auf der Bühne standen und ihre Geschichte erzählten…
Der Anspruch war es ja, die Welt und ihre Konflikte aus anderen Perspektiven zu zeigen, bzw. diese anderen Perspektiven zur Sprache zu bringen und sie dadurch sichtbar zu machen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das wirklich gelungen ist, mir erschien es doch immer noch sehr westlich geprägt. Aber ok, allemal besser als Live 8, weil sinnvoller, weil Leute weltweit wirklich im selben Moment das Selbe tun und sehen, und es zudem auch genau darum geht, dass sie das gerade tun… und nicht etwa um Sport, wo – wie man bei Olympia ja gerade sieht – jegliche Politik draußen gehalten werden soll. Wie war’s also? Ich fand’s super. Ein bisschen zu viel Pathos, aber ok. Außerdem habe ich eins nicht gemacht, worum die Organisatoren im Voraus sehr bemüht waren, nämlich, dass die Veranstaltung nicht allein, sondern mit anderen zusammen gucken solle. Nun, ich war nicht in Berlin. Vielleicht ja nächstes Jahr, wenn es denn noch einmal einen Pangea Day gibt.
Chronische Tachinose
Mai 9, 2008
Diesmal verstehe ich nicht mal den Betreff. Wenn das jemand googeln will, bitte, nur zu. Ich finde jedenfalls, ich sollte kein schlechtes Gewissen haben müssen bzw. kein schlechtes Gewissen haben, das sollte ok sein, einfach nix zu schreiben, und das sollte für alle gelten, also auch für mich.
Es ist ja nicht so, als ob ich nichts täte. Ich bin äußerst tätig und zwar in vielerlei Hinsicht. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: Ich lese gerade ungefähr zehn Bücher (ja, soviele, da habe ich sogar schon den Überblick verloren), schreibe nicht weniger als drei Hausarbeiten und zudem komponiere und texte ich noch an einem neuen Album. Seit kurzem habe ich ja auch eine Familie und die Freunde wollen auch nicht allein Bier trinken gehen. Von der Subkultur ganz zu schweigen, scheiß Subkultur, Subkultur mein Arsch!
Drum höre ich jetzt an dieser Stelle auf. Es gibt weiß Gott auch noch andere Dinge, die erledigt werden müssen, damit das Gewissen Ruhe gibt. Wenn es das dann wenigstens täte. Das Gewissen ist doch wirklich die mit Abstand verdrießlichste Einrichtung in unserem psychischen System. Ohne wär’s wohl auch scheiße. Oder ganz toll, aber das hat man ja schon vor längerer Zeit verbockt. Puh, jetzt wird’s auch noch philosophisch… Ich dreh mich lieber wieder rum.
Bei Aldi in Itzehoe im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein
Februar 26, 2008
Jaja. Letzte Woche habe ich hier bei Aldi einen echten Star getroffen. Hier ist Itzehoe und der Star ist gewissermaßen, wenn sicher auch nicht ausschließlich, ein persönlicher.
Itzehoe ist eine Kleinstadt, die einmal innerhalb einer Schleife des Flusses Stör lag, bis sie die Schleife wegmachte und jetzt einfach so an der Stör liegt. Somit aber endlich der fraglos abkömmlichen Idylle kleiner Kanälchen und malerisch drumherum drapierter Häuser entledigt, legte sie sich eine Fußgängerzone des unschlagbaren Klassikers „Niedersachsenklinker, zweistöckig“ zu und außerdem noch zwei weiße Hochhauswohnungsblöcke, die nun, den Kirchturm um ein Mü überragend, die Skyline des Städtchens markieren. Das alles geschah – ich habe jetzt keine Lust nachzusehen – in den sechziger Jahren.
Bei dem Star handelt es sich um einen Bauern aus dem nahe gelegenen Dorf Wacken, das Metallern schon seit Jahren das irdische Walhalla bedeutet und durch den Film „Full Metal Village“ unlängst auch bei einem breiterem Publikum Berühmtheit erlangt hat. Der Film berichtet von den Menschen die in Wacken leben und ein bisschen auch davon, wie sie mit dem Festival zurechtkommen. Diese Menschen sind natürlich, wie alle Menschen, entweder sympathisch oder abstoßend. Das macht sich der Film zunutze, indem er – wie jeder gute Film – eine Opposition von Gut und Böse ins Spiel bringt, die zwei Bauern inkorporieren dürfen.
Der böse Bauer ist das was man einen „Macher“ nennt, wahlweise in Politikerkreisen auch „Bonze“ oder in Immobilienmaklerkreisen „Hai“ genannt. Er kassiert aberwitzige Summen an EU-Fördergeldern, verdient sich eine goldene Nase am Festival, sieht fies aus, fährt Mercedes bzw. affigerweise Trike, raucht Camel und behandelt seine Frau schlecht, ja, prahlt sogar grinsend vor laufender Kamera damit, dass er eine Geliebte habe.
Der gute Bauer hat einen kleinen, schiefen Hof mit vielen Katzen, sieht unfassbar nett aus, fährt Fahrrad oder einen niedlichen, alten Trecker, raucht Selbstgedrehte, ist nicht sonderlich reich und liebt seine Frau (und sie ihn) wie am Tag ihrer Verlobung.
Beide haben aber auch etwas gemeinsam, sie sind beide irrsinnig cool.
Nun, den guten Bauern, also meinen persönlichen Star, habe ich letzte Woche bei Aldi getroffen, hier in Itzehoe. Ich lüge, wenn ich sage, dass er unschlüssig eine Ecke Parmesankäse in der Hand hielt und auf das Etikett starrte. Ich lüge, wenn ich sage, dass er eine Mütze mit der Aufschrift „Pepsi“ auf dem Kopf trug. Ich lüge aber nicht, wenn ich sage, dass er irgendetwas unschlüssig in der Hand hielt und eine Mütze mit einer Aufschrift auf dem Kopf trug. Ich kann mich nämlich nicht mehr genau erinnern, weil mir nämlich erst beim Einpacken auf dem Parkplatz endlich eingefallen ist, woher mir dieser Mann bekannt vorkam und weil ich daher vorher nicht so genau hingesehen habe, was ich ja ohnehin versuche zu vermeiden, also das Anstarren von Leuten.
Und hier ist er, der gute Bauer, in einer der rührendsten Szenen der Filmgeschichte:






