Seltsame Ministerien I
September 28, 2008
Ja. Wieder eine neue Reihe. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, scheiternde Reihen über scheiternde Reihen zu türmen. Die werden dann im Einzelnen am Ende (wobei unklar ist, wo ungefähr sich dieses „Ende“ befinden könnte) durchnummeriert. Vielleicht wird ja auch ein Buch zum Thema „Scheiternde Vorsätze“ draus. Mal sehen.
Durch die immer größer werdende zeitliche Nähe meiner nächsten Italienischprüfung (bzw. durch das damit in direkter Proportionalität stehende ebenfalls immer größer werdende Unbehagen), sehe ich mich nun langsam gezwungen, mich in irgendeiner Form mit dieser Prüfung zu beschäftigen. Eines der Themen lautet: Jugendarbeitslosigkeit. Das ist so ziemlich das Langweiligste, was ich mir vorzustellen in der Lage bin. Warum ich dieses Thema dann gewählt habe? Nun, ich durfte mir selbst Themen ausdenken. Ich dachte mir keine aus. Ich nahm das, was meine Dozentin mir beispielhaft und in einem Nebensatz vorschlug (zum Glück tat sie etwas Derartiges, sonst wäre ich bestimmt immer noch mit der Themenfindung beschäftigt).
Ich lese also seit heute morgen in so italienischen Blogs rum. So Prekariats-Jammer-Blogs. Wo derjenige den Preis bekommt, der die längste Zeit für das wenigste Geld, mit den meisten unbezahlten Überstunden und dem besten Studienabschluss arbeitete und gerade von einem Tag auf den anderen gefeuert wurde (über Kündigungsfristen, Urlaubsgeld u.ä. wird noch nicht mal mehr nachgedacht). Als Richtwerte für die Belegung der vorderen Plätze: 15 Jahre, 250 Euro pro Monat, ca. 12 Stunden täglich, mit einem Doktor in Medizin und Kunstgeschichte. Das geht natürlich nur, wenn man mit vierzig noch bei den Eltern wohnt.
Es war also ein ganz besonders amüsanter und motivierender Vormittag, was ich jetzt ganz und gar nicht ironisch meine. Dummerweise weiß ich aber noch nicht soo viel mehr über Jugendarbeitslosigkeit.
Um diesen Eintrag jetzt aber seiner Bestimmung zuzuführen und ihn damit auch abzuschließen: Das seltsame Ministerium I ist das „Ministero per Funzione Pubblica“, das „Ministerium für Öffentliches Funktionieren“. Der Minister ist Renato Brunetta, der – laut italienischer Wikipedia – nach einer Vorführung des Kinofilms „Matrix“ gesagt haben soll: „Ich möchte den Nobelpreis für Ökonomie gewinnen. [...] Ich habe viele Freunde, die den Nobelpreis gewonnen haben, und sie sind nicht viel intelligenter als ich.“
(Der Fairness halber will ich noch Folgendes bemerken: Das „Ministero per Funzione Pubblica“ heißt unterdessen „Ministero per la Pubblica Amministrazione e l’Innovazione“, die URL verrät aber noch den alten Namen.)
Wann verstehen es Müllabfuhr, Bauarbeiter, Handwerker aller Art, Glascontainerein- wurfzeitenbestimmer und Grünflächenmäher endlich, dass 7.00 Uhr morgens außer- halb der Geschäftszeiten eines sehr großen Teils der Einwohner dieser Stadt liegt? Warum muss die Phase der größten öffentlichen Lärmproduktion immer morgens sein? Warum nicht z.B. mittags? Die Mittagspause ist doch nun wirklich ein absoluter Anachronismus. Warum nicht z.B. nachmittags? Weil die, die morgens poltern und Radau machen in ihrem Feierabend nicht gestört werden wollen? Nun, ich will ja niemanden anfeinden. Ich verstehe es nur nicht. Wir leben ja auch nicht in den Subtropen (von Klimawandelkommentaren bitte ich abzusehen). Da ergibt das ja Sinn, da geht mittags nun wirklich nichts. Aber ich schweife ab. Ist ja auch sonst gar nicht meine Art, das Aufregen.
Letzten Endes hat aber zumindst die heutige morgendliche Ruhestörung etwas Gutes: Habe ich doch gerade mal wieder etwas in den Blog geschrieben.
Vectrex
Juli 8, 2008
Mein Nachbar resp. Schwager resp. Kumpel hat sich ein Liebhaberstück gekauft. So nennt man das ja, glaube ich, wenn man langsam alt wird und bei Versteigerungen tendenziell zuviel für Dinge bezahlt, die man in seiner Kindheit haben wollte, aber nicht bekam bzw. nicht haben wollte, weil sie damals schon von gestern waren, aber eben noch nicht so sehr von gestern, dass man sie wieder haben will. Ein typisches Beispiel dafür ist die Spielekonsole Vectrex, die – wie mir erklärt wurde – nicht sonderlich erfolgreich war, weil zu teuer. Zu teuer war sie aber deshalb, weil sie den Monitor gleich mitbrachte und zwar nicht irgendeinen x-beliebigen Pixel-Monitor, sondern einen Vektor-Monitor, oder so. Also ist es eine Konsole, die mit Vektorgrafik funktioniert. Sie wurde dann auch „Vectrex“ genannt. Und zwar schon 1982. Es gibt also Konsolen, die sind fast genauso alt wie ich. Das „x“ am Ende des Namens sollte wohl zum Ausdruck bringen, auf welcher Marktposition die Vetrex-Produzenten am liebsten die Pixelgrafikprodukte anderer Hersteller gesehen hätten, am Ende. Das war 1982 noch so, da war alles noch offen. Nun gut, mir wurde das Gerät gestern abend vorgeführt und es bereitete Spaß. Vor allem, weil es brummte und fiepte und piepte und knattertte etc. pp. Hier ein paar Bilder (leider etwas pixelig, meine Kamera funktioniert nämlich im Gegenteil zum Vectrex mit Pixeln, zudem verfügt sie nur über einige wenige Millionen davon, dafür sieht sie aber geil aus, so wie… you know!):
Überlegungen profaner Natur: Das Baden
Mai 17, 2008
Die von mir so sehr geliebte und ausgiebig betriebene Tätigkeit des Badens wurde mir soeben verleidet. Das hat natürlich den vorteilhaften Nebeneffekt, dass, sollte ich demnächst umziehen, die Auswahl infrage kommender Wohnungen sehr viel größer geworden ist, ich brauche ja keine Badewanne mehr, dies aber nur nebenbei.
Die Essenz des Badens liegt meiner Meinung nach nämlich darin, es mit einer weiteren Tätigkeit gleichzeitig auszuüben, der des Lesens. Leider ist ja das altertümliche Medium des Buches für mich gestorben. Das ist nicht nur ärgerlich, weil in meinem Zimmer eine ganze Wand voll davon ist, von Büchern, die ich jetzt zu nichts mehr gebrauchen kann, sondern auch weil man, wenn einem so ein Buch einmal versehentlich in das Badewasser gefallen ist, es einfach wegwerfen und sich ein neues kaufen konnte. Ganz schräge Vögel hängen es meinetwegen auch an eine Wäscheleine zum Trocknen auf. Nebenbei bemerkt habe auch ich schon einmal ein Buch zum Trocknen aufgehängt. Zu meiner Verteidigung kann ich aber vorbringen, dass ich damals Student war und in einer thüringischen Kleinstadt lebte. Bei dem getrockneten Buch handelte es sich um einen Reclam-Band, so eine zweisprachige Ausgabe von Aristoteles’ Poetik. (Intermezzo: Gerade habe ich das Buch aus dem Regal genommen und weggeworfen.)
Zurück zum Wesentlichen, der mir neuerdings verleideten Tätigkeit des Badens: Es ist nämlich so, dass ich es mir nicht traue, meinen Laptop bzw. mein Notebook (was eigentlich ist derzeit die gängigste Bezeichnung für so ein Gerät?) zum Lesen mit in die Badewanne zu nehmen. Es könnte ja versehentlich ins Badewasser fallen. Dazu fällt mir etwas ein: Max Frisch hat einmal auf die Frage, wie viel Geld er gerne hätte, sinngemäß geantwortet: „Nicht so viel, dass ich mich darum kümmern muss. Nicht so wenig, dass ich mich darum kümmern muss.“ Wenn mir jemand die Frage stellen würde, wie viel Geld ich gerne hätte, würde ich antworten: „So viel, dass ich, wenn mir versehentlich mein Computer in das Badewannenwasser fällt, ich ihn wegwerfen und mir einen neuen kaufen kann.“
Bleibt noch – wenn man etwa die im suzidalen Kontext recht beliebte Kombination Fön/Badewanne hinzuzieht – eines zu klären: Wäre ich dazu noch in der Lage?
Pangea Day schließlich und endlich: Fazit
Mai 12, 2008
Onno war so freundlich mich in den Kommentaren zu fragen, wie er denn nun war, der Pangea Day. Meine Antwort wurde etwas ausführlicher, sozusagen ‘post-worthy’:
Und? Wie war es?
War in Ordnung. Leider nur in Ordnung. Nicht gefallen hat mir hauptsächlich, dass im Vergleich zu Moderation, kurzen Reden und musikalischen Elementen die Filme etwas zu kurz gekommen sind. Ich hätte mir mehr gewünscht, ich hätte mir auch bessere gewünscht: Waren leider oft nicht so einfallsreich, inhaltlich wie technisch. Allerdings gab’s hier auch Ausnahmen, wie etwa die Filme von Ted Chung, Zeina Aboul Hosn, Brent Hoff, Philippe Orreindy und Mark Osborne.
Man war auch bemüht, die Veranstaltung nicht zu einem weltweiten Hippie- und Betroffenheitstreffen geraten zu lassen, was sicherlich nicht einfach ist und eigentlich ganz gut gelang. Obwohl die ModeratorInnen mir ein bisschen zu schluffi-fesch daherkamen, mit Surfersträhnen, Jeans und Jackett, und die Beitrage für meinen Geschmack etwas zu oft „amazing“ und „inspiring“ nannten oder als Endpunktmarkierung noch schnell ein „wow“ einfließen ließen. Es gab auch ein paar Stars: Die unvermeidliche Cameron Diaz, die großartige Meg Ryan und die alberne Goldie Hawn. Alle haben nur kurze Ansagen gemacht, also gewissermaßen ihre Marke zur Verfügung gestellt, was halt sein muss, klar. Letztgenannte war allerdings auch Anlass für Fremdscham, sie hatte nämlich den indischen Lach-Guru und Arzt Madan Kataria mitgebracht und die ganze Welt sollte nun gleichzeitig gemeinsam in schallendes Gelächter ausbrechen. Ähnlich peinlich das Ende à la „the world united in one heart beat“ mit Trommlern, die auf den Großevents in Rio, L.A. (von hier aus wurde der größte Teil moderiert), London, Kairo, Tigali (sic!) und anderen Orten halt mit ihren unterschiedlichen Trommeln trommelten: Trommeln geht gar nicht! (Überhaupt fand ich die Weltmusikbeiträge ziemlich nervig.)
Zuletzt aber noch ein paar positive Punkte: Logistisch lief alles glatt, was sicher eine Leistung ist. Als Beispiel: Ein funktionierender, weltweiter Stream in acht Sprachen (mit Simultanübersetzung und Untertiteln) über vier Stunden und als Vollbild problem- und ruckelfrei. Fand ich ziemlich beeindruckend (kriegen ARD und ZDF nicht hin). Überhaupt das ganze Auftreten, ob Website, Kommunikation, die Bühnen am Abend des Events selbst: Alles sehr gut. Ganz besonders gefielen mir – auch wenn es ein paar zuviel davon gab – die kurzen „speeches“ international anerkannter Wissenschaftler und Künstler (nach dem Vorbild von ted.com). Höhepunkt bildete für mich, als eine israelische Mutter, deren Sohn bei einem Selbstmordattentat ums Leben kam, und ein Palästinenser, dessen Bruder von israelischem Militär erschossen wurde und der selbst schwer verletzt worden war, Hand in Hand auf der Bühne standen und ihre Geschichte erzählten…
Der Anspruch war es ja, die Welt und ihre Konflikte aus anderen Perspektiven zu zeigen, bzw. diese anderen Perspektiven zur Sprache zu bringen und sie dadurch sichtbar zu machen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das wirklich gelungen ist, mir erschien es doch immer noch sehr westlich geprägt. Aber ok, allemal besser als Live 8, weil sinnvoller, weil Leute weltweit wirklich im selben Moment das Selbe tun und sehen, und es zudem auch genau darum geht, dass sie das gerade tun… und nicht etwa um Sport, wo – wie man bei Olympia ja gerade sieht – jegliche Politik draußen gehalten werden soll. Wie war’s also? Ich fand’s super. Ein bisschen zu viel Pathos, aber ok. Außerdem habe ich eins nicht gemacht, worum die Organisatoren im Voraus sehr bemüht waren, nämlich, dass die Veranstaltung nicht allein, sondern mit anderen zusammen gucken solle. Nun, ich war nicht in Berlin. Vielleicht ja nächstes Jahr, wenn es denn noch einmal einen Pangea Day gibt.
Und Augustinus sprach zu mir…
Mai 10, 2008
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie man zu Problemen, die einen gegenwärtig beschäftigen (oft ja unfreiwillig), plötzlich Antworten gereicht bekommt. Nun stimmte ich ja gestern mal wieder so ein Lamento an, weil mich ja mal wieder ein Problem quälte, dass nicht unbedingt neu ist. Im Gegenteil ist dieses Lamento ein ziemlich fester und konstanter Bestandteil meiner sog. Existenz, also so eine Art Betriebsbrummen, meldet sich halt nur mit unterschiedlicher Dringlichkeit zu Wort, in etwa wie die Kühlung meines Laptops, um jetzt mal im Bild zu bleiben (das gar nicht so schlecht funktioniert, denn solch eine echte Eruption des schlechten Gewissens ist ja oft – durchaus einer Karthasis vergleichbar – das letzte Aufbegehren der Trägheit (Oxymora en masse!) vor einer neuen Phase der Produktivität). Nebenbei bemerkt geht das eigentlich allen Menschen, die ich meine Freunde nennen darf, ähnlich. Mh.
Um zu den sich zufällig anfindenden Antworten zurückzukommen: Meist verbergen die sich ja gerade da, wo man sie gar nicht vermutet. In meinem Fall gerade in einer – naja – Selbstbefragung des großen italienischen Sonetteschreibers Franceso Petrarca, die sich Secretum meum nennt, so ca. 1342 entstanden. Kurz das Setting: Ein gewisser Franziskus (aha, ein alter ego des Autors?) hat plötzlich eine Erscheinung. Eine strahlend schöne Dame steht aus heiterem Himmel vor ihm, die so strahlend schön ist, dass sie blendet. Natürlich: Die Wahrheit. Die Wahrheit hat aber noch jemanden dabei, der dem armen, leidenden, weil irrenden Franziskus auf den richtigen Weg bringen soll, den Weg zur Wahrheit, den Weg zu Gott… Und als Meister der Selbstbetrachtung im christlichen Kontext bietet sich naturgemäß Kirchenvater Augustinus an, der Franziskus in einem Streitgespräch nun auf den eitlen Zahn fühlen darf. (Die Wahrheit zieht sich übrigens schweigend zurück und lauscht dem Gespräch der beiden: Wenn das nicht was zu bedeuten hat.)
Franziskus ist in der Folge recht begriffsstutzig: Es ist ihm schon klar, dass das auf der Erde alles eitel Treiben sei, dass ihm – so er nicht davon ablasse – nur das Fegefeuer bescheren würde. Er hätte es auch immer wieder versucht, sich mithilfe endloser und gewissenhaft detaillierter memento mori davon abzuwenden, allein, er falle immer wieder zurück in die häßlich-schönen (das Mittelalter ist halt voll von dieser Stilfigur (wat willse machen, kannse nix machen)) Arme der Frau Welt. Ständig wiederholt Franziskus daher die Frage: Was also hält mich zurück? Nach langem Hin und Her dann am Ende des ersten Buches eine schon leicht generverte Replik Augustinus, die auch mich aus dem noch morgendlich verdöstem Geschmöker riss und – oh große Geste des getroffenen Lesers – aufblicken ließ:
„Diese Seuche hat Dir geschadet, und wenn du nichts dagegen tust, wird sie dich bald zugrunde richten. Denn der von seinen Sinneserscheinungen überschüttete und von vielen verschiedenartigen Sorgen, die pausenlos gegeneinander kämpfen, bedrückte zerbrechliche Geist kann nicht prüfen, welcher er zuerst begegnen, welche er fördern, welche er vernichten, welche er zurückweisen soll; und all seine Kraft und Zeit, die ihm eine sparsame Hand zugeteilt hat, reichen für so viele Dinge nicht aus. Was also denjenigen zu widerfahren pflegt, die auf engem Raum vieles säen, daß nämlich die Saaten sich gegenseitig bedrängen und behindern, eben das geschieht dir: In deinem allzu beschäftigtem Geist treibt nichts Nützliches Wurzeln und wächst nichts Fruchtbringendes heran; und du bist ratlos und wendest dich mit wunderlichen Schwanken bald hierhin, bald dorthin und bist nirgends vollkommen, nirgends ganz. Daher kommt es, daß dein – wenn man ihn läßt, edler - Geist, jedesmal, wenn er zu diesem Gedanken an den Tod und zu den anderen, durch die man zum Leben gelangen kann, Zutritt findet und durch seine naturgegebene Scharfsinnigkeit auf den Grund hinabsteigt, dort nicht zu bleiben vermag und unter dem Druck der Menge verschiedenartiger Sorgen wieder zurückspringt. Infolgedessen erschlafft ein so heilsamer Vorsatz durch allzuviel Unbeständigkeit , und es entsteht jene innere Zwietracht [...] und jene Bedrängnis einer sich selbst zürnenden Seele, die sich vor ihrem eigenen Schmutz ekelt und ihn nicht abwäscht, die die krummen Wege erkennt und sie nicht verläßt, die die drohende Gefahr fürchtet und sie nicht abwendet.„
Also mir hat das zu denken gegeben. Vor allem, da ich ja schon seit Monaten auf dieses neue Buch von Kathrin Passig und Sascha Lobo warte: Eine Apologie der Prokrastination? Das klingt mephistophelisch, bzw. belzebübisch, je nachdem, welchen Autor man meint.
Übrigens hatte ich gerade noch eine Erkenntnis: Ich bin absolut und ganz und gar nicht fähig, Texte Pointen zuzuführen. Egal.
Dipteren
Mai 9, 2008
Wenn man so den ganzen Tag mit der Arbeit anfängt, kommt man schon mal ins Grübeln. In horizontaler Lage sieht man dabei meist auf die Zimmerdecke oder – weil es für die Augen bequemer ist – auf die Zimmerlampe oder eben auf die beiden Kabel, die da rausgucken. Wenn man sich dann einen Moment mal nicht richtig auf das Grübeln konzentriert, können einem auch die kleinen Fliegen auffallen, die dort – Achtung, ein Oxymoron! – ihre eckigen Kreise ziehen.
Ich dachte, jetzt hat das Leben wieder einen Sinn: Ich kann herausfinden, warum sie das tun. Das gestaltete sich allerdings schwieriger als geahnt, obwohl ich nicht der erste bin, den diese Frage umtreibt. Zuerst musste einmal klar gestellt werden, dass es sich nicht um die relativ großen Stubenfliegen handelt, sondern um die kleineren sogenannten Dipteren. Davon, von denen ein Bild hier reinzukleben, sehe ich aus ästhetischen Gründen ab. Wer sie unbedingt sehen will, kann das ja bei Wikipedia tun. Desweiteren musste zusätzlich geklärt werden, dass es sich um ein Verhalten handelt, dass bei Tag stattfindet, bei abgeschalteten Lampen. Diese beiden Punkte disqualifizierten etwa neunundneunzig Prozent aller Forenbeiträge (oft nicht unamüsant,aber meist ermüdend).
Ein Biologe brachte das überzeugendste Argument und das Faktum, dass es sich um einen Biologen handelt, dürfte ja schon genügen, um zu wissen, um welches Argument es sich handelt: Sex natürlich. Einmal mehr tun sich Abgründe auf: Die Zweiflügler machen das höchstwahrscheinlich, weil sie alle die Vorliebe haben in einer gewissen Höhe und mit einen gewissen Abstand zu allen möglichen Dingen, sich an einem möglichst signifikantem Punkt zu orientieren. Das ist naturgemäß die Zimmerlampe. Sie tun dies aber nicht etwa aus Bequemlichkeit, sondern weil die Wahrscheinlichkeit dort am höchsten ist, auf einen gegengeschlechtlichen Artgenossen zu treffen, denn dieser hat ja den gleichen Faible für’s Lampeneckkreisen. Damit wäre das also geklärt. Ich stehe jetzt besser auf und gehe (man denke dabei an Steffi Graf) Bassillikum! kaufen.
Chronische Tachinose
Mai 9, 2008
Diesmal verstehe ich nicht mal den Betreff. Wenn das jemand googeln will, bitte, nur zu. Ich finde jedenfalls, ich sollte kein schlechtes Gewissen haben müssen bzw. kein schlechtes Gewissen haben, das sollte ok sein, einfach nix zu schreiben, und das sollte für alle gelten, also auch für mich.
Es ist ja nicht so, als ob ich nichts täte. Ich bin äußerst tätig und zwar in vielerlei Hinsicht. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: Ich lese gerade ungefähr zehn Bücher (ja, soviele, da habe ich sogar schon den Überblick verloren), schreibe nicht weniger als drei Hausarbeiten und zudem komponiere und texte ich noch an einem neuen Album. Seit kurzem habe ich ja auch eine Familie und die Freunde wollen auch nicht allein Bier trinken gehen. Von der Subkultur ganz zu schweigen, scheiß Subkultur, Subkultur mein Arsch!
Drum höre ich jetzt an dieser Stelle auf. Es gibt weiß Gott auch noch andere Dinge, die erledigt werden müssen, damit das Gewissen Ruhe gibt. Wenn es das dann wenigstens täte. Das Gewissen ist doch wirklich die mit Abstand verdrießlichste Einrichtung in unserem psychischen System. Ohne wär’s wohl auch scheiße. Oder ganz toll, aber das hat man ja schon vor längerer Zeit verbockt. Puh, jetzt wird’s auch noch philosophisch… Ich dreh mich lieber wieder rum.
Der Titel besteht aus einem Zitat von Jehane Noujaim, einer jungen Dame, die sich u.a. für den Weltfrieden engagiert. Um diesem ein Stück näher zu kommen, hat sie ein Projekt entwickelt, bei dem wir – also wir Menschen – uns näher kommen sollen. Das wird möglich gemacht, indem wir Menschen, und zwar so viele wie möglich von uns und an so vielen Orten wie möglich, gleichzeitig eine Reihe von Kurzfilmen sehen, über Fernsehen oder Live-Stream. Das Ganze nennt sich „Pangea Day“ und man hat einen schönen Trailer dazu gemacht. Es wird unterstützt von TED, einer, wie ich finde, immer großartiger werdenden Organisation. Ihre Rede – den sogenannten TED Wish – kann man sich hier ansehen.
Wer also am 10. Mai von 20.00 bis 24.00 Uhr noch nix vorhat, kann sich da einen schönen Filmeabend machen. Am besten mit ein paar Freunden.
Sweding
April 17, 2008
Gerade eine neue Kulturtechnik entdeckt. In Anschluß an Michel Gondrys letzten Film „Be Kind Rewind“, in dem Videotheksmitarbeiter aufgrund einer unabsichtlichen Totallöschung ihres Filmreservoirs dieses selbst neu verfilmen, erfreut sich das sogenannte Sweding bei YouTube großer Beliebtheit. Wird auch Zeit, dass diese Idee endlich wieder aufgegriffen wird, schließlich sind seit Jean Pauls Romanfigur, die beschließt, die Bücher, die sie sich nicht leisten kann, prompt selbst zu schreiben, schon einige Jahre vergangen (zu dumm, dass ich nicht mehr weiß, in welchem Roman… ihr?). Sweding ist natürlich etwas einfacher zu bewerkstelligen, dauert nicht so lange und ist zudem wesentlich geselliger.
Vielleicht sind mit dem Sweding (hinter dem ständigen Wiederholen dieses Wortes steckt selbstredend eine pädagogische Idee) auch endlich die leidigen Urheberrechtsfragen gelöst, obwohl ich mir da nicht so sicher bin, könnte doch die GEMA das Summen einer Filmmelodie als so eine Art Aufführung – schlimmer noch als Vorführung, wenn nicht gar Distribution – interpretieren.
Kulturelle Schlußfolgerungen zieht Alex Rühle bei sueddeutsche.de.
Mein vielleicht nicht Lieblingsfilmsweding, aber doch das Sweding meines Lieblingsfilms (resp. doch nicht wirklich meines Lieblingsfilms) ist das hier:





